Bürgermeister*in-Wahl Schwielowsee: Fragen an die Kandidierenden

Wir haben gefragt. Sie haben geantwortet.

Am 11. Oktober 2026 ist die Wahl. Hier könnt ihr nachlesen, wie die Kandidierenden sich zu unserem Leitbild und unseren Werten positionieren.

Unsere Fragen haben wir am 21. September an alle vier Kandidierenden verschickt:

  • Wie stehen Sie zum Leitbild von „Schwielowsee bekennt Farbe“ und den darin formulierten Werten – Weltoffenheit, Vielfalt und ein klares Eintreten gegen Ausgrenzung und Diskriminierung?
  • Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen Sie sich als Bürgermeister*in dafür einsetzen, dass diese Werte in Schwielowsee gelebt werden?
  • Wie werden Sie in der Gemeindevertretung und in der Öffentlichkeit mit rechtsextremen Positionen umgehen, auch wenn eine klare Haltung dazu politisch unbequem sein kann?

Bis 26. September hatten alle vier geantwortet und wir haben es hier direkt veröffentlicht. Danke an alle Kandidierenden für die schnellen Antworten.

NADINE STEPHAN

Liebe Mitglieder von „Schwielowsee bekennt Farbe“,

danke für eure Fragen. Ich antworte gern, und zwar so, wie ich es auch am Stammtisch oder am Spielfeldrand sagen würde. Mit der Veröffentlichung bin ich einverstanden.

1. Wie stehe ich zu eurem Leitbild?

Ehrlich gesagt musste ich beim Lesen nicht lange überlegen. Ihr beruft euch auf das Grundgesetz und unsere Landesverfassung, und genau damit habe ich mein ganzes Berufsleben zu tun gehabt, in der Verwaltung und seit 14 Jahren als Schöffin am Amts- und Landgericht Potsdam. Da sitzt man Menschen gegenüber und urteilt über das, was sie getan haben, nicht darüber, wo sie herkommen oder wie sie aussehen. Das hat mich geprägt.

Und im Verein erlebe ich es jedes Wochenende. Auf dem Sportplatz fragt kein Kind, woher das andere kommt. Da wird zusammen gespielt, zusammen verloren und zusammen gefeiert. So einfach kann das sein, wenn Erwachsene es nicht kompliziert machen.

2. Was will ich konkret tun?

Ich bin keine, die viel redet und dann nichts passiert. Machen ist besser als wollen, das ist mein Satz, und dazu stehe ich.

Gleichstellungsbeauftragte sind in jedem Rathaus eine wichtige Position. Von meiner Seite gibt es volle Rückendeckung, und ich will, dass jeder in Schwielowsee weiß, dass man sich dort melden kann, wenn man angefeindet, ausgegrenzt oder bedroht wird. Egal ob Nachbar, Ehrenamtlicher oder Gemeindevertreter, egal welcher Partei. Da darf niemand allein gelassen werden.

Ich will unsere Vereine stärken, weil dort Zusammenhalt entsteht, ob beim Fußball, bei der Feuerwehr oder im Karneval. Wer einmal zusammen einen Umzug oder eine Festivität vorbereitet hat, weiß, was ich meine.

Ich will endlich einen festen Treffpunkt für unsere Jugendlichen. Meine Tochter ist 17, ich weiß also ziemlich genau, wie wenig es hier für junge Leute gibt. Wer einen Ort hat und dazugehört, ist weniger anfällig für die, die mit einfachen Parolen kommen.

Und ich will, dass die Menschen in Caputh, Geltow und Ferch mehr informiert werden, bevor entschieden wird, nicht erst hinterher. Ein Schwielowsee, nicht drei Ortsteile, die gegeneinander arbeiten. Wer sich einbringen kann, fühlt sich auch zuhause.

Außerdem soll man eure Werte auch sehen. Das Leitbild gehört für mich ins Rathaus, gut sichtbar. Beim Fährfest und bei anderen Gemeindefesten seid ihr willkommen. 

Und den 23. Mai, den Tag des Grundgesetzes, könnte jedes Jahr mit Schulen, Vereinen und euch gemeinsam etwas veranstaltet werden, um die Wichtigkeit des GG zu präsentieren. 

3. Wie gehe ich mit rechtsextremen Positionen um?

Als mögliche Bürgermeisterin bin ich keiner Partei verpflichtet, aber ich bin dem Grundgesetz verpflichtet. Darauf lege ich meinen Amtseid ab.

Ich rede mit jedem. Auch mit Leuten, die sauer sind, die sich übergangen fühlen oder die mit der Politik abgeschlossen haben. Viele davon kenne ich persönlich, und ich nehme ihren Ärger ernst. Aber wenn jemand andere Menschen herabsetzt oder bedroht, dann ist für mich Schluss. Dann sage ich das auch, in der Gemeindevertretung genauso wie auf dem Dorffest. Ruhig, aber deutlich.

In der Gemeindevertretung zählt für mich, ob eine Idee Schwielowsee voranbringt. Gute Vorschläge prüfe ich sachlich, egal von wem sie kommen. Aber ich mache keine gemeinsame Sache mit denen, die Menschen ausgrenzen wollen.

Unbequem? Mag sein. Aber ich habe mich in meinem Leben selten danach gerichtet, was bequem ist.

Ich hoffe ich konnte euren Erwartungen entsprechen und freue mich auf eine zukünftige gemeinsame Arbeit. Falls noch etwas unbeantwortet bleibt, bin ich jederzeit erreichbar.

Herzliche Grüße aus Ferch
Nadine Stephan

MATTHIAS SCHMIEDER

Sehr geehrte Mitglieder von „Schwielowsee bekennt Farbe“,
vielen Dank für Ihre Fragen, die ich Ihnen gerne beantworte. 

Wie stehe ich zum Leitbild von „Schwielowsee bekennt Farbe“?

Ihr Leitbild teile ich: Menschenwürde, Demokratie, Weltoffenheit und ein respektvolles Zusammenleben gehören für mich zu den Grundlagen unserer Gemeinde und sind für mich unabdingbar. Menschen dürfen nicht aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihres Geschlechts, ihrer persönlichen Lebensweise, ihres Alters oder ihrer sozialen Situation ausgegrenzt oder herabgewürdigt werden.

In meinem Bürgermeisterprogramm habe ich das so ausgedrückt: Ich möchte eine Gemeinde, in der Menschen ernst genommen werden und wir trotz unterschiedlicher Auffassungen respektvoll miteinander umgehen.

Was will ich als Bürgermeister konkret dafür tun?

Aus Verwaltungssicht beginnt für mich ein respektvoller Umgang praktisch im Rathaus. Aus meiner langjährigen kommunalpolitischen Erfahrung weiß ich, dass Menschen bei Entscheidungen einerseits abgeholt und mitgenommen werden wollen, andererseits aber auch konkrete, nachvollziehbare Entscheidungen erwarten, für die der Entscheidende die Verantwortung übernimmt. Bürgernähe im täglichen Verwaltungshandeln heißt deshalb für mich:

Die Menschen werden (auch weiterhin) respektvoll behandelt, sie finden verlässliche Ansprechpartner und ihre Anliegen werden unabhängig davon gehört, wer sie sind oder woher sie kommen. Genau deshalb gehören für mich feste Zuständigkeiten und eine verlässliche Erreichbarkeit selbstverständlich dazu.

Respektvoller Umgang miteinander lebt aber nicht nur im Rathaus. Er lebt dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen und sich für ihre Gemeinde engagieren. Vereine, Feuerwehren, Kultur, Kirchen, Initiativen und das Ehrenamt bringen Menschen zusammen. Deshalb ist ihre Unterstützung für mich ausdrücklich Teil meines Programms.

Mein Ziel ist eine Gemeinde, in der sich unterschiedliche Menschen in Vielfalt begegnen, miteinander leben und miteinander reden können.

Wie gehe ich mit rechtsextremen Positionen um?

Rassismus, Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und die Herabwürdigung anderer Menschen haben für mich keinen Platz in unserer Gemeinde.

Wenn solche Positionen in der Gemeindevertretung oder öffentlich vertreten werden, werde ich ihnen energisch entgegentreten. Wichtig ist mir bei diesem Punkt eine saubere Unterscheidung: Nicht jede harte Kritik und nicht jede politische Auffassung, die man selbst nicht teilt, ist deshalb extremistisch.

Ich werde mich deshalb mit Argumenten auseinandersetzen und nicht mit pauschalen Zuschreibungen. Dabei ist mein Maßstab nicht, ob eine Haltung politisch bequem oder unbequem ist, sondern ob unser Grundgesetz beachtet wird und sich die Dinge im Rahmen unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung bewegen. Dies ist die klare Grenze für mich.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Schmieder

DIRK HÜNERSON

Liebe Mitglieder von „Schwielowsee bekennt Farbe“,
bitte finden Sie meine Antworten unten.

Mit freundlichen Grüßen,
Dirk Hünerson

1. Wie stehen Sie zum Leitbild von „Schwielowsee bekennt Farbe“ und den darin formulierten Werten – Weltoffenheit, Vielfalt und ein klares Eintreten gegen Ausgrenzung und Diskriminierung?

Ich unterstütze das Leitbild ausdrücklich. Die dort formulierten Werte – Weltoffenheit, Vielfalt und ein klares Nein zu Ausgrenzung und Diskriminierung – entsprechen meinem Verständnis einer demokratischen, respektvollen und solidarischen Gemeinde. Eine Politik, die Menschenwürde schützt und Teilhabe für alle ermöglicht, ist für mich Grundlage verantwortungsvoller kommunaler Arbeit.

2. Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen Sie sich als Bürgermeister*in dafür einsetzen, dass diese Werte in Schwielowsee gelebt werden?

Als Bürgermeister möchte ich diese Werte umsetzen: durch klare Haltung der Verwaltung gegen Diskriminierung, durch die Unterstützung einer offenen, kreativen Atmosphäre des Miteinanders, die verzerrenden oder abwertenden Äußerungen klar entgegenwirkt, und durch schnelle, solidarische Hilfe, wenn Menschen bedroht oder ausgegrenzt werden. Ich möchte, dass Schwielowsee ein Ort bleibt, an dem alle Menschen sicher, respektiert und frei leben können.

3. Wie werden Sie in der Gemeindevertretung und in der Öffentlichkeit mit rechtsextremen Positionen umgehen, auch wenn eine klare Haltung dazu politisch unbequem sein kann?

Ich werde allen extremen Positionen in Gemeindevertretung und Öffentlichkeit klar, sachlich und unmissverständlich entgegentreten. Wo Menschenwürde verletzt, demokratische Grundrechte infrage gestellt oder Gruppen ausgegrenzt werden, braucht es eine eindeutige Haltung. Für mich gilt: Respekt, Faktenorientierung und Gewaltfreiheit, aber keine Toleranz gegenüber Ideologien, die auf Abwertung oder Einschüchterung beruhen.

HEIKO MUTZ

Sehr geehrte Mitglieder von „Schwielowsee bekennt Farbe“,
danke für Ihre Fragen. Ich beantworte sie nicht taktisch, sondern so, wie ich denke.

1. Wie stehe ich zu Ihrem Leitbild?

Ich teile die Werte, die Sie im Leitbild formuliert haben, ohne Wenn und Aber. Eine Gemeinde ist kein Ort, den man sich aussucht wie eine Postleitzahl – sie ist ein Ort, den man gemeinsam macht. Und „gemeinsam“ heißt für mich: alle. Unabhängig von Herkunft, Glauben, Geschlecht, sexueller Orientierung oder davon, wie dick der Geldbeutel ist. 

Menschenwürde ist für mich keine Verhandlungssache. Sie ist die Grundlage, auf der alles andere erst möglich wird.

2. Was will ich konkret tun?

Werte, die nur auf Papier stehen, verändern nichts. Deshalb will ich, dass in Schwielowsee Orte entstehen, an denen Menschen sich tatsächlich begegnen können – nicht nur nebeneinander leben.

Konkret heißt das für mich:

  • Feste, wiederkehrende Veranstaltungen, Begegnungsstätten und Foren, in denen Menschen miteinander diskutieren, streiten und sich kennenlernen dürfen – über Ortsteilgrenzen und Generationen hinweg.
  • Eine Verwaltung, die zuhört, statt von oben herab zu entscheiden.
  • Sichtbare Unterstützung für alle, die sich in Vereinen, Feuerwehren und Initiativen für Zusammenhalt einsetzen.

Eine Gemeinde lebt nicht von Beschlüssen allein. Sie lebt davon, dass Menschen sich ins Gesicht schauen, bevor sie übereinander reden.

3. Wie gehe ich mit rechtsextremen Positionen um?

Klar und ohne Umwege: Wer Menschen aufgrund dessen herabwürdigt, wer sie sind, bekommt von mir keine Bühne und keine Zustimmung. Da gibt es kein „Ja, aber“.

Ich diskutiere mit jedem über Sachfragen – das gehört zur Demokratie. Aber Demokratie heißt nicht, dass man Menschenverachtung als „eine Meinung unter vielen“ behandelt. Wer die Würde anderer infrage stellt, stellt sich selbst außerhalb des Gesprächs, das wir führen sollten.

Unbequem ist das manchmal. Aber eine Haltung, die nur bequem ist, ist meist auch wertlos. 
Ohne Euch kein Wir!

Mit klarer Haltung und offenem Ohr,
Heiko Mutz

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